{"id":2624,"date":"2021-02-06T12:50:36","date_gmt":"2021-02-06T11:50:36","guid":{"rendered":"https:\/\/heimatfreunde-welschbillig.de\/?page_id=2624"},"modified":"2021-02-08T20:37:09","modified_gmt":"2021-02-08T19:37:09","slug":"franz-allmer","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/heimatfreunde-welschbillig.de\/?page_id=2624","title":{"rendered":"Franz Allmer"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/heimatfreunde-welschbillig.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Helenenberg1.png\"><img loading=\"lazy\" width=\"1000\" height=\"914\" src=\"https:\/\/heimatfreunde-welschbillig.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Helenenberg1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2627\" srcset=\"https:\/\/heimatfreunde-welschbillig.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Helenenberg1.png 1000w, https:\/\/heimatfreunde-welschbillig.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Helenenberg1-300x274.png 300w, https:\/\/heimatfreunde-welschbillig.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Helenenberg1-768x702.png 768w\" sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/a><figcaption>(Hinweis zum Bild: Das auf der Abbildung deutlich herausgestellte &#8222;Rote Kreuz&#8220; auf dem Dach der Kirche ist auch heute noch schwach sichtbar. Dazu stellt man sich s\u00fcdlich vom Helenenberg (Richtung Trier) an die B51. Bei entsprechend geeigneter Wetterlage kann man die urspr\u00fcngliche Markierung auf dem Kirchendach noch deutlich erkennen.)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"font-size:23px\"><strong>Liebe Leserin, lieber Leser,<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>nun ist es \u00fcber 75 Jahre her, dass der 2. Weltkrieg zu Ende ist, der so uns\u00e4glich viel Not und Elend auch \u00fcber die Menschen in unserer Heimat gebracht hat.<br>Dennoch wollen wir diese Zeit nicht vergessen und an dieser Stelle den Zeitzeugen<br><strong>Franz Allmer<\/strong> zu Wort kommen lassen, der die letzten Kriegsmonate als Sanit\u00e4tswagenfahrer im Eduardstift Helenenberg miterlebt hat.<br>In dieser Funktion hat er auch vielen Welschbilligern geholfen, die in ihrer Not auf dem Helenenberg ihre Zuflucht fanden. Au\u00dferdem erreichte er, dass Helenenberg vom Artilleriebeschuss durch die Amerikaner ausgenommen wurde, was wahrscheinlich auch Welschbilliger Leben rettete.<br><br>Wir hoffen, dass wir Menschen nie wieder solche schrecklichen Zeiten erleben m\u00fcssen, sondern uns immer bewusst sind, dass der Friede mit zum Wichtigsten im Leben der Menschen geh\u00f6rt und wir immer wieder f\u00fcr diesen Frieden eintreten m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wer war Franz Allmer?<br>Stationen aus dem Leben von Franz Allmer<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Franz Allmer, geboren am 3.11.1916 in Graz, verstorben am 30.10.2008<br>1936-1940 Studium des Faches Vermessungswesen als Werkstudent an der Technischen Hochschule in Graz.<br>F\u00fcnf Jahre Frontsoldat als Sanit\u00e4ter in Frankreich, Leningrad und in den Ardennen.<br>Ein Jahr amerikanische Kriegsgefangenschaft<br>1946-1961 Leiter des Vermessungsamtes Spittal\/Drau, 1961-1965 in Deutschlandsberg und<br>1966 bis 1971 in Graz.<br>1980 Verleihung des \u201eGro\u00dfen Ehrenzeichens f\u00fcr Verdienste um die Republik \u00d6sterreich.\u201c<br>1991 \u00d6sterreichisches Ehrenkreuz f\u00fcr Wissenschaft und Kunst I. Klasse.<br>10. Juni 1991 Besuch in Helenenberg<\/p>\n\n\n\n<p>Seine Kriegserlebnisse hat Franz Allmer im \u201eKriegstagebuch Franz Allmer 1941-1945\u201c festgehalten.<br>Die originalen Tagebucheintr\u00e4ge Franz Allmers vom Einsatz an der Ardennenfront 1945 im Stift Helenenberg wurden in Graz zu Ende des Krieges vernichtet \u2013 deshalb schrieb Allmer unter \u201eNotizen zum Krieg am Westwall\u201c und \u201e30 Jahre danach\u201c seine Erlebnisse nochmals nieder.<br>Diese Berichte \u00fcber zwei au\u00dfergew\u00f6hnliche Eins\u00e4tze des Verfassers fanden die Herausgeber so bemerkenswert, dass sie dem Tagebuch als Anhang 1 und 2 beigef\u00fcgt wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Das \u201eKriegstagebuch Franz Allmer\u201c umfasst 288 Seiten und kann beim Verlag der Technischen Universit\u00e4t Graz zum Preis von 34 Euro bestellt werden.<br>1000 Tage des 2. Weltkrieges aus der Sicht eines Sanit\u00e4tswagenfahrers, der sich entschieden hatte, seinem Einsatz im Krieg den Sinn zu geben, verwundeten Frontsoldaten m\u00f6glichst rasch \u00e4rztliche Hilfe zukommen zu lassen und Leben zu retten. Eine unersch\u00fctterlich positive Lebenseinstellung begleitete ihn durch h\u00e4rteste Eins\u00e4tze.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wir bedanken uns ganz herzlich beim <strong>Verlag der Technischen Universit\u00e4t Graz<\/strong> f\u00fcr die freundliche Genehmigung, die beiden Anh\u00e4nge aus dem Kriegstagebuch, die Helenenberg betreffen, auf unserer Homepage &#8222;Heimatfreunde-Welschbillig.de&#8220; zu ver\u00f6ffentlichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u00dcberschriften der einzelnen Abschnitte, wie im nachfolgenden Inhaltsverzeichnis aufgef\u00fchrt, wurden von den Heimatfreunden eingef\u00fcgt und sind nicht Bestandteil der Aufzeichnungen von Franz Allmer<\/p>\n\n\n\n<p>Inhaltsverzeichnis:<br><a href=\"#notizen\">Notizen von Franz Allmer<\/a><br><a href=\"#erste-wochen\">Die ersten Wochen auf Helenenberg<\/a><br><a href=\"#text3\">Beginn der Runstedt Offensive<\/a><br><a href=\"#text4\">Der R\u00fcckzug beginnt schon nach 3 Tagen<\/a><br><a href=\"#text5\">Helenenberg unter Artilleriebeschuss<\/a><br><a href=\"#text6\">Als Parlament\u00e4r zu den Amerikanern<\/a><br><a href=\"#text7\">Die Verhandlungen<\/a><br><a href=\"#text8\">Der Weg zur\u00fcck zum Helenenberg<\/a><br><a href=\"#text9\">Wieder auf dem Helenenberg<\/a><br><a href=\"#text10\">J\u00e4nner 1945 Hauptverbandsplatz Helenenberg<\/a><br><strong>Anhang 2<\/strong><br><a href=\"#text11\">15. J\u00e4nner 1945<\/a><br><a href=\"#text12\">Unbelehrbar<\/a><br><a href=\"#text13\">16. J\u00e4nner 1945<\/a><br><a href=\"#text14\">Nachwort<\/a><br><\/p>\n\n\n\n<p>~~~~~~~~~~~~~~~<\/p>\n\n\n\n<p id=\"notizen\"><strong>Notizen von Franz Allmer<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zur Chronik des Stiftes Helenenberg, das die Patres und Fratres des Salesianerordens durch viele Jahrzehnte und durch schwerste Krisen hindurchsteuerten, sei es mir gestattet noch einige wesentliche Erg\u00e4nzungen hinzuzuf\u00fcgen, soweit sie mir nach 46 Jahren in lebhafter Erinnerung sind. Der eigentliche Anla\u00df war ein kurzer Besuch am 10. Juni 1991 in Helenenberg, wo ich auf dem Heldenfriedhof&nbsp; die Gr\u00e4ber einiger Kameraden meiner Kompanie aufsuchte.<br>Zur Vorgeschichte meiner milit\u00e4rischen Einheit:<br>212. Bayerische Infanteriedivision, Sanit\u00e4tskompanie, Krankenkraftwagenzug Nr.1. Die M\u00fcnchener Frauent\u00fcrme waren auf unseren Fahrzeugen w\u00e4hrend des ganzen zweiten Weltkrieges das Erkennungszeichen.<br>Nach dem Frankreichfeldzug kamen wir nach Dax (Baskenst\u00e4dtchen, Bischofssitz, Kurort mit Thermen aus r\u00f6mischer Zeit) am Fu\u00dfe der Pyren\u00e4en im Golf von Biscaya, in unmittelbarer N\u00e4he der spanischen Grenze.<br>Ich selbst wurde zu dieser bayerischen Division eingezogen, da ich damals 1940 bei der Baufirma POLENSKY &amp; Z\u00d6LLNER in M\u00fcnchen arbeitete.<br>Beim Russlandfeldzug 1941wurden wir per Bahn nach Ostpreussen verlegt und dann ging es an den Stadtrand von Leningrad. Dort verblieben wir 900 Tage zur Belagerung von Leningrad in einem zerm\u00fcrbenden Stellungskrieg. Die Verluste an Mensch und Material waren gro\u00df.<br>Ende Oktober 1944 wurden wir, nach zwei verlustreichen R\u00fcckm\u00e4rschen durch das Baltikum, von der russisch-ostpreussischen Grenze (L\u00f6sen) per Bahn in ugf. zweiw\u00f6chiger Fahrt nach Ehrang bei Trier verlegt.<br>Vor dieser ungem\u00fctlichen Bahnfahrt, die wegen der h\u00e4ufigen Fliegerangriffe ausschlie\u00dflich nachts vonstatten ging, wurde die 212. Bayerische Infanteriedivision mit 10 000 Mann Sollst\u00e4rke geteilt. Das war eines der Geheimrezepte von Hitlers Gener\u00e4len, wie man nach dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944, die Anzahl der Divisionen pl\u00f6tzlich verdoppelte. Die politische Propaganda wurde intensiv verst\u00e4rkt, indem in allen Einheiten Politoffiziere, bzw. Hitlers treu ergebene Anh\u00e4nger f\u00fcr die rechte Gesinnung in der Truppe zu sorgen hatten. Vorbild war das russische System der Polytruks . Dies erfolgte auf dem Wege von Belehrungen und bei \u201eHartn\u00e4ckigen\u201c, die an den gro\u00dfen Endsieg nicht mehr recht glauben wollten, durch Schikanen und letztendlich durch Anzeigen beim Divisionsgericht.<br>Ein Hauptverbandsplatz (es gab \u00fcblicherweise in jeder Sanit\u00e4tskompanie deren zwei) wurde im Stift Helenenberg bei Trier installiert.<br>Ein Teil des Stabes lag in Schweich an der Mosel, (ugf. 15 km \u00f6stlich von Trier). Drei Sanit\u00e4tsfahrzeuge (Sanit\u00e4ts-Kraftwagen, kurz SANKA benannt) wurden ebenfalls im Stift Helenenberg zur Bereitschaft entsendet. (Obergefreiter Vogel, Ogfr. OTTO, Ogfr. ALLMER).<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber das Genfer Rotkreuz-Abkommen wurden wir kaum in Kenntnis gesetzt; mit Ausnahme von zwei Dingen:<\/p>\n\n\n\n<ol type=\"1\"><li>Es mu\u00dften alle Sanit\u00e4tskraftfahrzeuge wei\u00df gestrichen werden und auf dem Dach sowie auf allen vier Seitenw\u00e4nden mu\u00dfte ein gro\u00dfes rotes Kreuz angebracht werden.<\/li><li>Jeder Angeh\u00f6rige der Sanit\u00e4tskompanie erhielt einen Personalausweis (ohne Lichtbild) der folgenden Text hatte:<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>\u201eDer\u2026N.N. \u2026 geboren am \u2026 in \u2026<br>wird ausschlie\u00dflich im Sanit\u00e4tsdienst<br>als \u2026 verwendet. Er ist berechtigt,<br>das Genfer Abzeichen (gestempelte wei\u00dfe<br>Armbinde mit rotem Kreuz) zu tragen<br>und steht unter dem Schutz der<br>Artikel 9, 12 und 13 des Genfer Abkommens<br><br>vom 27.7.1929.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Unterschrift des Divisionsarztes und Dienstsiegel<br><\/p>\n\n\n\n<p id=\"erste-wochen\"><strong>Die ersten Wochen auf Helenenberg<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p id=\"text3\">Die ersten Wochen in Helenenberg verliefen ziemlich ruhig, da kaum Kampfhandlungen entlang der ehemaligen Westwallbunker&nbsp; (vor dem Frankreichfeldzug 1940errichtet \u2013 auch Siegfriedlinie genannt) zu bemerken war. Es hie\u00df in den Divisionsberichten: Nur Sp\u00e4htruppt\u00e4tigkeit. Unser Divisionsabschnitt ging entlang der luxemburgischen Grenze, Grenzfluss war die Sauer, bis zur M\u00fcndung in Konz in die Mosel.<br>Nebst dem Kartenstudium f\u00fcr die kommenden Eins\u00e4tze konnten wir mehrere Fahrten nach Trier unternehmen, um in einer gro\u00dfen Farbenhandlung&nbsp; im Zentrum der altehrw\u00fcrdigen Stadt wei\u00dfen und roten Lack in gro\u00dfen Mengen zu organisieren (besser gesagt, brutal zu enteignen), um unsere Autos mit dem notwendigen Anstrich zu versehen.<br>Das weibliche Gesch\u00e4ftspersonal hatte wenig Freude mit uns Landsern \u2013 doch mit kleinen Gegengeschenken wurde der pers\u00f6nliche Kontakt einigerma\u00dfen repariert.<br>Im Innenhof des Stiftes Helenenberg standen unsere SANKAS und wurden flei\u00dfig bepinselt. Bei dieser Gelegenheit trat mir ein Priester im Talar entgegen, der auf seiner Soutane hohe Auszeichnungen des ersten Weltkrieges trug. Es war der Chef des Hauses, Direktor Pater RUND. Nachdem ich als \u201eOstm\u00e4rker\u201c und Katholik vom Orden der Salesianer in meiner Heimatstadt Graz einiges wu\u00dfte, verband uns sofort ein Band der Sympathie. Ich weilte des \u00f6fteren, auf Einladung von Hw. Pater RUND, in seinem Arbeitszimmer, wo er mir von seiner Offizierslaufbahn im ersten Weltkrieg erz\u00e4hlte. Er zeigte mir ein gro\u00dfes Bild, das \u00fcber seinem Schreibtisch hing \u2013 ein Hitlerphoto mit pers\u00f6nlicher Widmung Hitlers:<br>&nbsp;\u201eMeinem ehemaligen Regimentskommandeur&nbsp; an der deutschen Westfront 1917, Adolf&nbsp; HITLER\u201c.<br>Dieser Umstand kam sp\u00e4ter Hw. Herrn Direktor Pater RUND und dem ganzen Helenenberg zugute.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Beginn der Runstedt Offensive<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In der ersten Dezemberh\u00e4lfte 1944 war es an der Front der 212. Volksgrenadierdivision auffallend ruhig. Es sind viele Truppeneinheiten in den Frontbereich von Echternach zusammengezogen worden.<\/p>\n\n\n\n<p>Alle Truppenbewegungen erfolgten nur nachts wegen der Tarnung; auch deshalb weil bei Tageslicht st\u00e4ndig der gesamte Luftraum von amerikanischen Jagdbombern \u00fcberwacht wurde. Jedes Fahrzeug, mit Ausnahme der Rotkreuz-Fahrzeuge, wurde gnadenlos beschossen.<br>Die Soldaten kampierten in den regennassen W\u00e4ldern und durften bei Tag kein w\u00e4rmendes Feuer entz\u00fcnden, um der feindlichen Luftwaffe keine Anhaltspunkte zu geben.<br>Ich erinnere mich, wie in der ersten Dezemberh\u00e4lfte \u201eGoldfasane\u201c (hochrangige NS-Pareibonzen) in viele kleine Ortschaften des Mosel- und Eifelgebietes mit Lausprecherwagen angefahren kamen, flotte Marschmusik aufspielten und dann der deprimierten und staunenden Zivielbev\u00f6lkerung verk\u00fcndeten: \u201eZu Weihnachten sind wir wieder in Paris und zu Neujahr wieder an der Atlantikk\u00fcste\u201c.<br>Ich selbst habe eine solche Kundgebung in Welschbillig erlebt. Manche Frauen und M\u00e4dchen gerieten in einen Begeisterungstaumel und tanzten auf offener Stra\u00dfe mit den Soldaten \u2013 es war nach meinem Daf\u00fcrhalten eher eine Weltuntergangsstimmung.<br>F\u00fcr manche Soldaten und Zivilisten war es unbegreiflich, dass die Amerikaner von den geheimen Offensive-Vorbereitungen nichts merkten.<br>Fast t\u00e4glich in der Abendd\u00e4mmerung sahen wir lithiumrote Leuchtkugeln nahezu senkrecht in den Himmel steigen, die mit zunehmender H\u00f6he sichtlich ihre Beschleunigung steigerten; dann erst war der Donner der V1 oder V2 \u00dcberschall-Ferngescho\u00dfe zu vernehmen. Die Abschu\u00dfbasen m\u00fcssen in unmittelbarer N\u00e4he gewesen sein und waren begehrte Aufkl\u00e4rungsobjekte der alliierten Luftwaffe. Nach Einbruch der v\u00f6lligen Dunkelheit brausten alliierte Bomberverb\u00e4nde in verschiedenen H\u00f6hen \u00fcber uns hinweg zum Herzen Deutschlands \u2013 unserer Heimat.<br>Weder Flakabwehr noch deutsche Nachtj\u00e4ger zeigten sich am Himmel. Es war deprimierend. Leicht besch\u00e4digte Bomber, die im Alleinflug vom Verband ausschieden und ihren Einsatzhafen in Frankreich zu erreichen suchten, wurden von unserer Flak meist abgeschossen. Die \u00fcberdimensionalen Bomberverb\u00e4nde wurden von unserer Flak nicht angegriffen, es w\u00e4re sinnlos gewesen.<br>Es war f\u00fcr die Amerikaner tats\u00e4chlich eine \u00dcberraschung als am 16. Dezember 1944, um 5.30 Uhr, eine \u00dcberraschungsoffensive mit Trommelfeuer und deutschen Fliegerangriffen begann. Wir Landser sahen nach Monaten wieder einmal ein paar deutsche Jagdflugzeuge. Der Vormarsch ging \u00fcber die Sauer bei Echternach in Richtung der Stadt Luxemburg. Unterwegs kam ich zu einer auffallend gepflegten Villa, die dem bekannten deutschen Filmschauspieler Rene Deltgen geh\u00f6rte (oder war er Luxemburger?).<br><em>[Anmerkung des Unterzeichners: Er war Luxemburger.]<br><\/em>Sie wurde restlos zerst\u00f6rt, ob durch Deutsche oder Amerikaner, ich wei\u00df es nicht mehr.<br>Am 19. Dezember 1944 waren Teile der 212 Volksgrenadierdivision am Rande der Stadt Luxemburg. Es gab wenig Verwundete, aber relativ viele amerikanische Gefangene.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"text4\"><strong>Der R\u00fcckzug beginnt schon nach 3 Tagen &nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nach drei Tagen wendete sich der Kampf und wir mu\u00dften im Eiltempo nach Echternach zur\u00fcck, wo wir uns bis zum Heiligen Abend halten konnten. Dann dr\u00e4ngten uns die Amerikaner unter ungeheurenVerlusten \u2013 unsere Division hatte 876 Tote und 1450 Verwundete \u2013 in die Ausgangsstellungen zur\u00fcck. Damit war im s\u00fcdlichen Eifelabschnitt die vielger\u00fchmte &#8222;Runstedt\u201eOffensive\u201c zu Ende und es begann ein aufreibender Stellungskrieg, der h\u00fcben und dr\u00fcben nur mehr viele unn\u00fctze Opfer forderte.<br>Der Hauptverbandsplatz auf dem Helenenberg konnte die vielen Verwundeten, die zwischen Weihnachten und Neujahr eingeliefert wurden, kaum mehr fassen. Die Leichtverwundeten erhielten eine kurze Erstversorgung und wurden mit den SANKAS Nacht f\u00fcr Nacht in das Kriegslazarett Wittlich oder Traben-Trarbach weitertransportiert. Nur die ganz schweren F\u00e4lle, die nicht transportf\u00e4hig waren, und deren gab es leider viele, sowohl Deutsche als auch Amerikaner, sie mu\u00dften auf dem Helenenberg bleiben. Das \u00c4rzteteam, es gab \u00fcblicherweise vier bis sechs \u00c4rzte auf einem Hauptverbandsplatz, war Tag und Nacht im Einsatz.<br>Zum Leidwesen und zum gro\u00dfen Nachteil der Verwundeten war fast immer nur einer des \u00c4rzteteams ein gelernter Chirurg, w\u00e4hrend die anderen \u00c4rzte Internisten, Kinder\u00e4rzte, Kur\u00e4rzte oder Gyn\u00e4kologen waren und keine umfangreichen Operationen durchf\u00fchren konnten. So lastete die gro\u00dfe Verantwortung auf dem einzigen Chirurgen. Und hier sei der Name, Stabsarzt Dr. GRUBER aus M\u00fcnchen oder Bayern an erster Stelle genannt. Ihm verdanken schwerverwundete deutsche und auch amerikanische Soldaten ihr Davonkommen bzw. ihre Lebensrettung; auch verwundete Zivilisten aus der Umgebung wurden erstklassig versorgt.<br>Das Stift Helenenberg, und damit der Hauptverbandsplatz liegt an einer Hauptstra\u00dfenkreuzung, wo sich die Reichsstra\u00dfe Trier \u2013 Bitburg mit der Bezirksstra\u00dfe Schweich \u2013 Welschbillig \u2013 Irrel \u2013 Echternach kreuzt. Auf diesen Stra\u00dfen spielte sich Nacht f\u00fcr Nacht der gesamte Nachschubverkehr ab. Panzerfahrzeuge, Munitionsfahrzeuge, Verpflegswagen und Meldefahrzeuge donnerten pausenlos im Schutze der Dunkelheit \u00fcber diese Nachschubstra\u00dfen. Bei Tag war das Befahren dieser angef\u00fchrten Stra\u00dfen nahezu unm\u00f6glich, da st\u00e4ndig amerikanische Jagdbomber den gesamten Luftraum \u00fcberwachten. Es geschah des \u00f6fteren, da\u00df einzelne Radfahrer oder Fu\u00dfg\u00e4nger von den Jagdbombern unter Feuer genommen worden sind.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"text5\">Einmal wurde ein Milit\u00e4rlastwagen buchst\u00e4blich von zwei Jagdbombern zersiebt; wie mir erinnerlich ist \u2013 ich war gerade auf der Fahrt ins Kriegslazarett nach Wittlich \u2013 flogen die beiden Jagdbomber mindestens sechsmal auf den Lastwagen los und schossen mit Maschinengewehren und Bordkanonen, aber der Lastwagen brannte nicht aus \u2013 es war n\u00e4mlich ein Holzvergaser! Er konnte ja nicht brennen, da er weder Benzin noch Dieseltreibstoff hatte, sondern nur mit Holz betrieben wurde.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"text5\"><strong>Helenenberg unter Artilleriebeschuss<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Stift Helenenberg, das durch seinen Hauptverbandsplatz mit einem gro\u00dfen Kreuz auf dem Dache gekennzeichnet und luftsichtbar gemacht worden war, blieb vor Fliegerangriffen verschont. Die amerikanischen Piloten hielten sich strikt an das Genfer Rotkreuzabkommen.<br>Aber die schwere amerikanische Artillerie, die aus dem Luxemburgischen indirekt, ohne Beobachtung und Zielsicht, die Stra\u00dfenz\u00fcge und Stra\u00dfenkreuzungen systematisch bescho\u00df, machte sich auf dem Hauptverbandsplatz Helenenberg sehr unangenehm bemerkbar. Viele Fenster des Stiftes zerbarsten durch die massiven Feuerschl\u00e4ge der Artillerie und unter den Schwerverwundeten brach eine panikartige Stimmung aus, wenn die Glassplitter die zahlreichen Notbetten \u00fcbers\u00e4ten.<\/p>\n\n\n\n<p>Herr Direktor Pater RUND sprach mit mir am 1. J\u00e4nner 1945, da\u00df man der amerikanischen Artillerie mitteilen m\u00fc\u00dfte, da\u00df sie entgegen dem Genfer-Rotkreuzabkommen unseren Hauptverbandsplatz schwer gef\u00e4hrden. Er w\u00fc\u00dfte aus seinen Erfahrungen des ersten Weltkrieges, da\u00df Parlament\u00e4re zu den amerikanischen Stellungen gehen sollten und sie auf diesen Umstand aufmerksam machen sollten. Ich erkl\u00e4rte Herrn Direktor Pater RUND, da\u00df ich sofort bereit w\u00e4re als Parlament\u00e4r mit wei\u00dfer Flagge zu den Amerikanern hin\u00fcberzugehen, wenn ich von der Division die Erlaubnis dazu bek\u00e4me. Direktor Pater RUND nahm meine Bereitschaft begeistert zur Kenntnis und erwirkte innerhalb von 12 Stunden, da\u00df unser Divisionsgeneral Franz SENSFUSS, der mit seinem Stab im nahegelegenen Ehrang bei Trier sa\u00df, die n\u00f6tige Genehmigung mit einigen Nebenbedingungen erteilte.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese auffallend rasante Genehmigung kam f\u00fcr mich \u00fcberraschend, hatte aber zwei wesentliche Gr\u00fcnde, die ich damals nicht sofort durchschaute.<br>1. Das Auftreten von H. Pater RUND als ehemaliger hochdekorierter Frontoffizier und Regimentskommandeur Adolf Hitlers im ersten Weltkrieg zwang den Offizieren des Dritten Reiches, die ja ansonsten von priesterlichen Soutanen nicht viel hielten, gro\u00dfen Respekt ab.<br>2. Auf dem Hauptverbandsplatz Helenenberg lag aber auch schwerverwundet mit einem Bauchschu\u00df&nbsp; der Ia-Offizier der 212. Division (das ist der Sekret\u00e4r des Generals und praktisch die \u201egraue Eminenz\u201c des Divisionskommandeurs). Dieser war infolge seiner schweren Verwundung nicht transportf\u00e4hig in ein ruhigeres Kriegslazarett hinter der Front. Besonders dieser empfand den st\u00e4ndigen amerikanischen Artilleriebeschu\u00df und die zerborstenen Fensterscheiben \u00e4u\u00dferst unangenehm. Die geborstenen Fensterscheiben wurden mit Pappendeckel und Sperrholz notd\u00fcrftig geflickt; die K\u00e4lte des Eifel-Winters kroch bei allen Ritzen in die Verwundetenr\u00e4ume.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"text6\"><strong>Als Parlament\u00e4r zu den Amerikanern<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p id=\"text6\">Am 3. J\u00e4nner 1945 kam Leutnant L\u00dcDEKE um ugf. 9 Uhr auf den Hauptverbandsplatz Helenenberg und teilte mir mit, da\u00df ich mit ihm als Parlament\u00e4r zu der gegen\u00fcberliegenden Einheit der Amerikaner gehen sollte, die Genehmigung der Division habe er bereits in der Tasche.<br>Nachdem er die Rotkreuzarmbinde trug, fragte ich ihn, ob er Arzt sei. Als er dies verneinte, erkl\u00e4rte er mir, da\u00df er einen zu Unrecht\u00a0 ausgestellten Rotkreuzausweis des Divisionsarztes erhalten habe und mit der Funktion als Versorgungsoffizier der Sanit\u00e4tskompanie deklariert worden sei. Ein Dienstgrad oder eine Dienstzuteilung, die es bei der Deutschen Wehrmacht nicht gab!<br>Im Anschluss erteilte er mir noch einige Belehrungen, was ich bei den Amerikanern zu tun und zu sprechen hatte, ansonsten habe ich mich m\u00f6glichst wortkarg zu verhalten.<br>Wir fuhren mit dem SANKA bis zu dem Pionierbunker an die Sauer, ungef\u00e4hr in der Gegend von Edingen. Dort setzten uns die Pioniere mit einem Schlauchboot \u00fcber die Sauer. Die Pioniere w\u00fcnschten uns viel Erfolg und versicherten uns, da\u00df sie nicht w\u00fc\u00dften, wo und wie weit die amerikanischen Stellungen entfernt seien; auf alle F\u00e4lle m\u00f6gen wir vorsichtig sein, denn die Amerikaner h\u00e4tten in der letzten Zeit flei\u00dfig Minen verlegt.<br>Mit dreij\u00e4hriger Ru\u00dflanderfahrung war es f\u00fcr mich kein besonderes Problem, die oberfl\u00e4chlich verlegten Minen zu erkennen; sie waren eigentlich f\u00fcr schwere Fahrzeuge und Panzer vorgesehen, aber nicht f\u00fcr harmlose Marschierer.<br>Nach eineinhalb Stunden Fu\u00dfmarsch im leichten Schneematsch, meist durch Waldgebiet, stie\u00dfen wir auf einen amerikanischen Vorposten mit ungef\u00e4hr 12 Mann. Es war ihnen scheinbar kalt und sie f\u00fchrten Bewegungs\u00fcbungen rund um ein Lagerfeuer aus \u2013 es h\u00e4tten Indianer sein k\u00f6nnen. Sie bemerkten uns nicht und als wir etwa drei Meter mit der wei\u00dfen Fahne vor ihnen standen, bemerkten sie uns noch immer nicht, dann rief ich: \u201eHallo!\u201c Sie waren so erschrocken, da\u00df sie kein Wort hervorbrachten, aber Pistolen und Maschinengewehre auf uns in Anschlag brachten.<br>Ltn. L\u00dcDEKE brachte unser Begehren vor, aber trotz wei\u00dfer Fahne, Rotkreuz-<br>binden und dem Schreiben des Deutschen Generals (ohne Namen) an den ameri\u00adkanischen General (auch ohne Namen) trauten sie uns nicht \u2013 We can never trust a German \u2013 man kann niemals einem Deutschen trauen! Ein Umstand, der vielleicht nach der mi\u00dfgl\u00fcckten Rundstedt-Offensive der letzten Tage verst\u00e4ndlich war.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"text7\"><strong>Die Verhandlungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Amerikaner hatten bei diesem v\u00f6llig unerwarteten, aber allerletzten deutschen Angriff doch relativ schwere Verluste.<br>Nun wurden wir nach Waffen untersucht; wir hatten nat\u00fcrlich keine, denn nach dem Genfer-Abkommen war dem gesamten Sanit\u00e4tspersonal das Tragen von Waffen untersagt. Meinem Begleiter Ltn. L\u00dcDEKE nahmen sie vorsichtshalber sein Taschenmesser ab, w\u00e4hrend es mir belassen wurde.<br>Anschlie\u00dfend wurden uns mit den wei\u00dfen Fahnen die Augen verbunden und wir wurden in einen Jeep bugsiert. Nach ugf. 20 Minuten holpriger Gel\u00e4ndefahrt \u2013 die Zeit konnte ich feststellen, da ich meinem amerikanischen Sitznachbarn meine Armbanduhr zum Ablesen hinhielt.<br>Dann wurde uns befohlen auszusteigen; wir wurden in ein Geb\u00e4ude gef\u00fchrt, wo wir stehend warten mu\u00dften. Wir konnten deutlich h\u00f6ren: \u201eDas sind wahrscheinlich Spione, am besten erschie\u00dfen wir sie gleich!\u201c Ehrlich gesagt, ich hatte keine Angst, denn so einfach k\u00f6nnen sich auch die \u201ewildesten\u201c amerikanischen Soldaten nicht \u00fcber das Genfer-Abkommen hinwegsetzen.<br>Nach l\u00e4ngerem Warten wurden wir wieder in einen Jeep verladen und weiter ging die Fahrt zur Stadt Luxemburg. Nach der Ger\u00e4uschkulisse bei der Durchfahrt von Ortschaften, nach dem Zeitintervall und der Absch\u00e4tzung der Fahrtgeschwindigkeit waren meine Vermutungen richtig. Nachtr\u00e4glich erfuhr ich von Zivilisten meine Vermutung best\u00e4tigt; sie hatten im Sender Luxemburg von unserer Mission genaue Berichte abgeh\u00f6rt.<br>Man brachte uns in einen gro\u00dfen Raum im ersten Stock eines Hauses, in dem k\u00fcnstliches Licht brannte und die Fensterl\u00e4den geschlossen waren. Man nahm uns die Augenbinden ab und bot uns Sitze an einem Tisch an.<br>Der Raum war dichtgedr\u00e4ngt mit amerikanischen Soldaten. Die Uniformen waren alle gleich, die einfach scheinenden Rangabzeichen waren mir unbekannt; sonstige Distinktionen sind mir nicht aufgefallen; dagegen wu\u00dfteLtn. L\u00dcDEKE dar\u00fcber Bescheid, da er beim Divisionsstab der 212. Volksgrenadier-Division beim Offizier f\u00fcr Spionage und Abwehr&nbsp; eingesetzt war.<br>Ein vermutlich h\u00f6herer Offizier \u2013 es war Captain SHERMANN, im Zivilberuf Dipl. Ing. aus New York, wie ich sp\u00e4ter erfahren habe \u2013 erkl\u00e4rte uns, da\u00df ihr General den Artilleriebeschu\u00df auf die Stra\u00dfenkreuzung Helenenberg im Umkreis von 500 Metern sofort einstellen lie\u00df, da\u00df er aber verlange, den Haupt-<br>verbandsplatz Helenenberg umgehend zu verlegen; von einer Beschie\u00dfung der Stra\u00dfenkreuzung, \u00fcber die der ganze deutsche Nachschub rolle, k\u00f6nne nicht abgegangen werden.<br>Wir versuchten verzweifelt den Amerikanern klar zu machen, da\u00df wir au\u00dferstande seien, eine Verlegung des Hauptverbandsplatzes zu erwirken, weil dort sehr viele schwerverwundete, nicht transportf\u00e4hige Soldaten l\u00e4gen \u2013 nicht nur deutsche, sondern auch amerikanische.<br>Das machte die Amerikaner etwas nachdenklich und bewirkte scheinbar eine Nachdenkpause.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich wurde aufgefordert, die \u00d6rtlichkeiten vom Stift Helenenberg und der n\u00e4chsten Umgebung zu beschreiben. Auf Ersuchen erhielt ich ein Blatt Papier und zeichnete im ungef\u00e4hren Ma\u00dfstab 1:10 000 die Lage auf. Dann verglichen die Amerikaner meine Skizze mit ihren Kartenunterlagen und stellten fest, da\u00df meine Angaben sehr genau stimmten.<br>Auf die Frage, wieso ich dies so rasch aus dem Kopf zeichnen konnte, gab ich ihnen zu verstehen, da\u00df ich ja unter anderem Kartographie an der Technischen Hochschule in Graz studiert h\u00e4tte und diesen Beruf als Zivilist ausf\u00fchre.<br>Dann kam zwangsl\u00e4ufig die Frage, wieso ich nicht Offizier sei, sondern nur gemeiner Mann und als Kraftfahrer bei der Sanit\u00e4tskompanie. Diese Frage konnte ich vor meinem Begleiter nicht beantworten; zudem stellten die Amerikaner fest, ich sei \u00d6sterreicher, was sie an meiner Schirmm\u00fctze erkannten.<br>Auf dem R\u00fcckmarsch zur Gefechtslinie hat mir dann Captain SHERMANN verraten, er sei emigrierter Deutscher und kenne die europ\u00e4ischen Verh\u00e4ltnisse sehr wohl; er wundere sich nur, da\u00df man mich als \u00d6sterreicher als Parlament\u00e4r eingesetzt habe. Die Erkl\u00e4rung war einfach, wie ich sp\u00e4ter noch erfuhr: Es war scheinbar niemand anderer bereit dazu.<br>Es trat eine Verhandlungspause ein. Man servierte uns ein hervorragendes Mittagessen in mehreren G\u00e4ngen, aber mit alkoholfreien Getr\u00e4nken. Bei jedem Gang wurde betont, da\u00df alle diese Lebensmittel laufend per Schiff aus den USA k\u00e4men und die Zivilbev\u00f6lkerung Europas zu keinerlei Ablieferungen verhalten werden, soweit dort amerikanische Besatzung herrsche.<br>Ein Umstand, der von der deutschen Kriegsf\u00fchrung nicht immer gepflogen wurde. Wir staunten immer wieder \u00fcber die genauen Informationen jener Gegner, die weit weg von Europa lebten.<br>Kaffee und Kuchen gab es zum Nachtisch. Die Stimmung wurde lockerer und Ltn. L\u00dcDEKE erz\u00e4hlte von der Olympiade 1936, wo die Amerikaner dutzendweise Goldmedaillen erk\u00e4mpften. So z.B. Jesse OWENS, drei Gold-Medaillen (100 m Lauf, 200 m Lauf und Weitsprung), Glen Cunningham, der sagenhafte Mittelstreckenl\u00e4ufer, usw. Der Verhandlungsraum wurde immer voller und die Amerikaner konnten nicht genug von der Berliner Olympiade h\u00f6ren. Auch ich konnte mit Schilderungen der Berliner Olympiade aufwarten, was die Sympathien f\u00fcr die \u201ewilden Deutschen\u201c unendlich steigerte.<br><br>Dann kam General PATTON pers\u00f6nlich hinzu (wie wir sp\u00e4ter \u00fcber Radio Luxemburg erfahren haben) und erkl\u00e4rte uns:<br>\u201eWenn es tats\u00e4chlich der Wahrheit entspr\u00e4che, da\u00df auf dem Hauptverbandsplatz Helenenberg auch schwerverwundete amerikanische Soldaten l\u00e4gen und sie laut Genfer-Konvention die gleiche Behandlung wie die deutschen Verwundeten erfahren, dann k\u00f6nne er von einem weiteren Artilleriebeschu\u00df der Stra\u00dfenkreuzung Abstand nehmen. Bedingung w\u00e4re allerdings, da\u00df zwei amerikanische Offiziere mit uns nach Helenenberg mitkommen und sich von der Richtigkeit unserer Aussagen \u00fcberzeugen k\u00f6nnen.\u201c<br>Damit hatten wir nicht gerechnet! Einige andere Bedingungen wurden uns noch bekannt gegeben:<\/p>\n\n\n\n<p>1. Sollten die beiden amerikanischen Parlament\u00e4re erkranken oder verwundet werden, so sind sie unverz\u00fcglich nach medizinischer Versorgung zu den amerikanischen Stellungen zur\u00fcckzubringen.<br>2. Nach R\u00fcckkehr der amerikanischen Parlament\u00e4re wird der General die endg\u00fcltige Entscheidung \u00fcber den weiteren Artilleriebeschu\u00df bez\u00fcglich der Stra\u00dfenkreuzung Helenenberg treffen.<br>3. Die Feuereinstellung auf dem gesamten Sektor Helenenberg bleibt so lange aufrecht, bis die Entscheidung gef\u00e4llt ist. Dieselbe Feuereinstellung wird auch von den deutschen Truppen verlangt.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"text8\"><strong>Der Weg zur\u00fcck zum Helenenberg<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es d\u00fcrfte ungef\u00e4hr 15 Uhr gewesen sein, als man uns wieder die Augen verband und mit einem Jeep zur Ausgangsstellung beim Vorposten zur\u00fcckbrachte.<br>Die Stimmung war locker, fast kameradschaftlich. Beim Vorposten erhielt Ltn. L\u00dcDEKE sein Taschenmesser zur\u00fcck; der Sergant entschuldigte sich dabei f\u00fcr seinen \u00dcbereifer, was Ltn. L\u00dcDEKE schmunzelnd zur Kenntnis nahm.<br>Bei einbrechender D\u00e4mmerung ging es hinaus ins Niemandsland, in Richtung Pionierst\u00fctzpunkt Edingen. Die beiden amerikanischen Offiziere nahmen uns die Augenbinden ab und erkl\u00e4rten, sie seien von nun an in unserer Gewalt und wir m\u00f6gen ihnen die Augen verbinden. Ltn. L\u00dcDEKE erkl\u00e4rte den beiden Offizieren, da\u00df wir auf Augenbinden verzichten k\u00f6nnten, da erstens beim Marsch durch die W\u00e4lder kaum etwas zu sehen sei, und weil zweitens bei leichtem Schneetreiben die Dunkelheit hereinbrach.<br>W\u00e4hrend des Fu\u00dfmarsches unterhielt ich mich mit Captain SHERMANN, der mir von seiner deutschen Vergangenheit erz\u00e4hlte, w\u00e4hrend ich ihm wesentliche Dinge meines bisherigen Lebens schilderte. Das gegenseitige Vertrauen und ein pers\u00f6nlicher Kontakt war trotz der schwierigen Kriegssituation sofort geschlossen.<br>Er versicherte mir, wenn ich in amerikanische Gefangenschaft kommen sollte, dann m\u00f6ge ich mich sofort auf ihn berufen und vorf\u00fchren lassen. Ich w\u00fcrde gut behandelt werden. Von diesem Angebot machte ich keinen Gebrauch \u2013 es kam sp\u00e4ter ganz anders als vermutet.<\/p>\n\n\n\n<p>Am westlichen Ufer der Sauer angekommen, riefen wir nach den Pionieren am \u00f6stlichen Ufer, die uns dann mit dem Schlauchboot in zwei Partien \u00fcbersetzten.<br>Die Pioniere meinten schon, wir k\u00e4men nicht mehr wieder, nachdem sie unsere R\u00fcckkehr f\u00fcr den fr\u00fchen Nachmittag erwartet hatten.<br>Sie wollten in der kommenden Nacht einen Sp\u00e4htrupp nach uns aussenden, vielleicht h\u00e4tten wir uns verirrt, oder wir seien auf Minen gelaufen.<br>Sofort rief ich vom Pionierbunker den Hauptverbandsplatz Helenenberg an, da\u00df wir mit zwei amerikanischen Offizieren zur Besichtigung k\u00e4men, die unsere Angaben, sowie die strikte Einhaltung der Genfer-Konvention \u00fcberhaupt, pr\u00fcfen sollten. Von diesem Umstande h\u00e4nge das Weiterbestehen des Hauptverbandsplatzes Helenenberg ab.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"text9\"><strong>Wieder auf dem Helenenberg<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Aufregung auf dem Hauptverbandsplatz war gro\u00df. Zuerst wurde der Division in Ehrang Meldung \u00fcber den Verlauf unserer Mission erstattet. Umgehend w\u00fcrde die Feldgendarmerie auf der schon mehrfach erw\u00e4hnten Stra\u00dfenkreuzung Helenenberg beauftragt, den gesamten Nachschubverkehr in dieser Nacht umzuleiten und daf\u00fcr zu sorgen, dass sich weder Waffen noch M\u00e4nner der k\u00e4mpfenden Truppe im Umkreis von 500 m befinden.<br>Den amerikanischen Offizieren wurde beim Anhalten auf der Stra\u00dfenkreuzung vor dem Hauptverbandsplatz der dortige diensttuende Feldgendarm (auch \u201eKettenhund\u201c genannt, weil er ein gro\u00dfes elliptisches Metallschild um den Hals trug) eindringlich vorgef\u00fchrt, da\u00df er daf\u00fcr Sorge trage, da\u00df sich keine k\u00e4mpfende Truppe im Umkreis von 500 m aufhalten darf. \u2013 Das war allerdings nur in dieser Nacht der Fall! Der Nachschub der k\u00e4mpfenden Truppe h\u00e4tte kaum andere Verkehrsm\u00f6glichkeiten gehabt.<br>Als ich dann mit dem SANKA, der diesmal keine Verwundeten, sondern Ltn. L\u00dcDEKE und die beiden amerikanischen Offiziere als Passagiere hatte, auf dem Hauptverbandsplatz vorfuhr, war eine unglaubliche Spannung zu merken.<br>Das \u00c4rzteteam, Stabsoffiziere der 212. Volksgrenadierdivision und Direktor Pater RUND begr\u00fc\u00dften die amerikanische Delegation und f\u00fchrten sie zu den amerikanischen Verwundeten, die mitten unter den deutschen Soldaten lagen und ebenso gut betreut wurden.<br>Die Aussagen der schwerverwundeten Amerikaner bez\u00fcglich ihrer Behandlung und \u00e4rztlicher Betreuung waren so enthusiastisch, da\u00df sich die beiden amerikanischen Parlament\u00e4re nur wunderten.<br>Vor allem deuteten sie immer wieder auf Stabsarzt Dr. GRUBER, dem sie ihr Leben verdankten (siehe Seite 408 uff. \u201eKrieg am Westwall 1944\/45 von Edgar CHRISTOFFEL\u201c).<br>Die amerikanischen Parlament\u00e4re notierten auch viele Aussagen der Verwundeten, soweit sie \u00fcber andere amerikanische Kameraden Bescheid wu\u00dften.<br>In der Zwischenzeit war auch der Hauptfeldwebel der Sanit\u00e4tskompanie von Schweich gekommen und \u00fcberreichte den amerikanischen Parlament\u00e4ren ein Paket mit dem Nachla\u00df von gefallenen Amerikanern; es waren Armbanduhren, Ringe, Armb\u00e4nder mit Erinnerungsmarke, Photos, Briefe usw.<br>Dieses Sammelpaket sollte in den n\u00e4chsten Tagen an das Internationale&nbsp; Rote Kreuz in die Schweiz abgesendet werden.<br>Die Amerikaner waren ob dieser Geste \u00fcberw\u00e4ltigt, hielten sie doch die Deutschen f\u00fcr Wilde, die mit einem Geweih auf dem Kopf und h\u00f6llischem Geschrei durch die W\u00e4lder Germaniens streunten.<\/p>\n\n\n\n<p>Als der offizielle Teil vor\u00fcber war, wurde kurz beratschlagt, da\u00df ein R\u00fccktransport der amerikanischen Parlament\u00e4re in der selben Nacht \u2013 es war ugf. 20 Uhr \u2013 kaum mehr m\u00f6glich, ja zu gef\u00e4hrlich sei.<br>General Franz SENSFUSS war damit einverstanden, da\u00df die beiden Parlament\u00e4re in Helenenberg \u00fcbernachten und morgen fr\u00fch bei Tageslicht zur\u00fcckgebracht werden.<br>Inzwischen hatte Direktor Pater RUND ein k\u00f6stliches Festmahl der Klosterk\u00fcche bereiten lassen und etliche Flaschen \u201eMoselle\u201c hoben bald die Stimmung.<br>Ein sch\u00f6nes Zimmer mit drei Betten wurde bereitgestellt und ich erhielt den Befehl, mit den beiden amerikanischen Offizieren im selben Zimmer zu n\u00e4chtigen. Zudem war ich verantwortlich, da\u00df keiner der beiden einen Fluchtversuch unternehmen k\u00f6nne \u2013 was die beiden nur mit Schmunzeln quittierten.<br>Als ich mich ausziehen wollte, um mich ins Bett zu legen \u2013 die beiden Amerikaner schliefen bereits selig nach dem \u201eMoselle\u201c \u2013 fiel mir ein, ich trage ja seit zwei Wochen gute, olivgr\u00fcne, amerikanische Unterw\u00e4sche, die ich seinerzeit im Luxemburgischen in einem amerikanischen Verpflegungslager<br>\u201eorganisiert\u201c hatte (siehe 290, 4. Absatz von oben im Buche: \u201eKrieg am Westwall 1944\/45\u201c). Kurz entschlossen legte ich mich mit voller Uniform ins sch\u00f6ne wei\u00dfe Bett, damit die Amerikaner am n\u00e4chsten Morgen nichts von meiner amerikanischen Unterw\u00e4sche sehen konnten.<br>Die Patres von Don Bosco werden f\u00fcr mein unkultiviertes Verhalten Verst\u00e4ndnis aufgebracht haben.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"text10\"><strong>4. J\u00e4nner 1945\u00a0 Hauptverbandsplatz Helenenberg<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Um ugf. 9 Uhr brachte ich die amerikanischen Parlament\u00e4re wieder nach Edingen, nachdem sie ausgiebig Kaffee mit Kuchen zu sich genommen hatten und nochmals ihre verwundeten Kameraden besucht hatten.<br>Diesmal rieten sie uns, bei ihren Vorposten zu warten, bis sie das Antwortschreiben ihres Generals an unseren General \u00fcberbringen w\u00fcrden. Dadurch w\u00fcrden wir uns den Marsch und die Fahrt mit verbundenen Augen ersparen.<br>Captain SHERMANN versicherte mir, da\u00df der General von einer weiteren Beschie\u00dfung der Stra\u00dfenkreuzung Helenenberg Abstand nehmen werde; ebenso w\u00fcrde er auf eine Verlegung des Hauptverbandsplatzes verzichten, denn der Lokalaugenschein h\u00e4tte eindeutig ergeben, da\u00df sich das deutsche Sanit\u00e4tspersonal wirklich mehr als korrekt und vor allem menschlich gegen verwundete und gefallene Amerikaner benommen h\u00e4tte.<br>Nach mehrst\u00fcndigem Warten kamen freudestrahlend die amerikanischen Parlament\u00e4re mit mehreren Soldaten im Jeep angefahren, \u00fcbergaben die Antwort ihres Generals und teilten uns gleich den positiven Inhalt mit.<br>Als Zugabe schleppten die amerikanischen Soldaten vom Jeep zwei gro\u00dfe Kartons herbei, die sie uns mit den Worten \u00fcberreichten: \u201cDies sei ein kleines Geschenk f\u00fcr die hervorragenden \u00c4rzte und f\u00fcr das Sanit\u00e4tspersonal auf dem Helenenberg.\u201c<br>Ltn. L\u00dcDEKE und ich schleppten die schweren Kartons an die Sauer, wo uns die Pioniere mit dem Schlauchboot schon erwarteten und uns auf das Ostufer \u00fcbersetzten.<br>Der Inhalt der beiden Kartons bestand aus amerikanischen Zigaretten (Lucky Strike, Camel) und amerikanischer Schokolade in Dosen.<br>Todm\u00fcde kam ich am Abend des 4. J\u00e4nners 1945 auf meinen Einsatzort Helenenberg zur\u00fcck und hoffte, mich endlich einmal richtig ausschlafen zu k\u00f6nnen. Daraus wurde leider nichts.<br>Fernm\u00fcndlich wurde ich umgehend zum Divisionsstab nach Ehrang befohlen, Hier erwartete mich der Ic Offizier (seinen Namen habe ich vergessen), das ist der Stabsoffizier f\u00fcr Spionage und Abwehr, mit mehreren Beisitzern zu einem ausf\u00fchrlichen Verh\u00f6r.<br><br>Man wollte von mir wissen, welche Dienstgrade der Amerikaner mit mir gesprochen haben, weiters wollten sie wissen, welche amerikanische Division unser Gegen\u00fcber sei, welche Divisionsabzeichen sie trugen oder auf ihren Autos hatten, und noch eine Unzahl von Fragen.<br>Die meisten Fragen konnte ich auch im Kreuzverh\u00f6r kaum beantworten, da ich ja vor diesem parlament\u00e4rischen Auftrag keinen Unterricht \u00fcber amerikanische taktische Zeichen oder Dienstgrade erhalten habe. F\u00fcr mich war ein Dienstgrad oder eine Zugeh\u00f6rigkeit zu einer Einheit v\u00f6llig uninteressant; mein einziges Ziel war, und das f\u00fcnf Kriegsjahre hindurch, Verwundeten zu helfen und sie m\u00f6glichst schnell einer \u00e4rztlichen Versorgung zuzuf\u00fchren.<br>Man legte mir eine Reihe von Bildern des Erkennungsdienstes vor, aber auch dazu konnte ich kaum exakte Aussagen machen. Mit meiner Vernehmung, die ugf. bis Mitternacht dauerte (erinnerlich etwa 5 Stunden), hatte man wenig Freude.<br>Als das Verh\u00f6r beendet war, freute ich mich auf einige Stunden Schlaf.<br>Nun aber kam noch etwas v\u00f6llig Unerwartetes. Ich wurde mit viel Papier und einem Bleistift in einen Raum eingeschlossen und erhielt den Befehl, alles, wor\u00fcber ich befragt wurde und meine Antworten dazu genauestens niederzuschreiben.<br>Das war ein unmenschliches Verlangen und bestimmt kein Punkt der Genfer Konvention.<br>Gro\u00dfz\u00fcgigerweise bekam ich Kaffee und ein P\u00e4ckchen Kn\u00e4ckebrot.<br>So sa\u00df ich schreibend, sehr wohl meine Formulierungen abw\u00e4gend, bis 5 Uhr fr\u00fch in besagter Zelle. Dann konnte ich mein ausgefeiltes Elaborat abliefern und war entlassen.<br>Eine Stunde sp\u00e4ter war ich wieder auf dem Hauptverbandsplatz Helenenberg, wo ich mich nur nach ein paar Stunden Schlaf sehnte. Aber daraus wurde leider wieder nichts; ich mu\u00dfte umgehend nach Irrel bei Echternach, um mehrere Verwundete zu holen. Diese \u00fcbermenschliche Anstrengung konnte ich nur mehr meistern, indem ich Perventin-Tabletten einnahm, wodurch man die n\u00e4chste, oder die n\u00e4chsten 12 Stunden ohne Schlaf \u00fcberwinden konnte.<br><br>      Zudem dr\u00e4ngt mich mein Gewissen, die Wahrheit zu sagen, da\u00df<br>      ich diese Perventin-Tabletten \u201eorganisiert\u201c habe in der Divisions-<br>      apotheke und nur in \u00e4u\u00dfersten Notf\u00e4llen eingenommen habe.<br>      Es war mir die Wirkung und eventuelle Nachwirkung voll bewu\u00dft;<br>      vor allem die Gefahr von S\u00fcchtigkeit.<br>      Diese Perventin-Tabletten wurden uns nur selten, bei zu erwartenden<br>      Kampfhandlungen oder bei R\u00fcckm\u00e4rschen verabreicht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Anhang 2<br>Helenenberg II \/ Notizen von Franz Allmer<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p id=\"text11\"><strong>30 Jahre danach \u2013 Graz 1975.01.15<br>Stift Helenenberg ( Eifel ) bei Trier \u2013 Ardennen Offensive<br>Hauptverbandsplatz der 212. Division<br><br>15. J\u00e4nner 1945.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>8.00 Uhr : Ich befinde mich im Stiftshof von Helenenberg und mache<br>Kfz.-Dienst. Sanit\u00e4ts-Kraftfahrzeug: PEUGEOT.<br>Es kommt der Divisionsarzt Dr. Mayr vorgefahren und erteilt mir den Befehl: \u201eALLMER . fahren Sie sofort zum Bunker 5\u2026(tausend\u2026) nach Ernzen und holen Sie vier deutsche Verwundete aus diesem Bunker ab.\u201c<br>ALLMER: \u201eHerr Oberstabsarzt, das wird nicht m\u00f6glich sein, weil die Amerikaner schon seit etliche Kilometer \u00f6stlich dieses ehemaligen Westwallbunkers&nbsp; ihre HKL (Haupt-Kampf-Linie) bezogen haben. Ich war vorgestern in Ernzen, wo ich Verwundete holte, und wei\u00df, wo jetzt die HKL verl\u00e4uft.&#8220;<br>Divisionsarzt: \u201eGanz egal! Sie k\u00f6nnen Englisch! Versuchen Sie, diese vier Verwundeten aus dem von den Amerikanern belagerten Bunker herauszuholen. Zwei liegende und zwei sitzende Verwundete.\u201c<br>Ich fuhr mit meinem Beifahrer los und komme zur deutschen HKL, wo mehrere amerikanische Soldaten (die Dienstgrade kenne ich nicht) aus dem Sch\u00fctzengraben springen und mich fragen, was ich wolle.<br>      ALLMER: \u201eIch habe den Auftrag, vier deutsche Verwundete aus dem weiter im Wald r\u00fcckw\u00e4rts gelegenen Bunker Nr. 5\u2026 zu holen.\u201c<br>      Amerikanischer Soldat: \u201eOK, haben Sie amerikanische Verwundete zum Austauschen?\u201c<br>      ALLMER: \u201eLeider nicht\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>      Amerikanischer Soldat: \u201eBringen Sie uns vier amerikanische Verwundete, dann k\u00f6nnen wir ein Tauschgesch\u00e4ft machen:\u201c<br>      ALLMER: Ich erkl\u00e4re den amerikanischen Soldaten, wir h\u00e4tten wohl amerikanische Verwundete, sie sind aber von der Front so weit weg im Hinterland, weil Ihr unsere s\u00e4mtlichen Geb\u00e4ude in Frontn\u00e4he durch Bomben demoliert habt und keine medizinische Versorgung zur jetzigen Winterzeit auf freiem Feld in Sanit\u00e4tszelten erfolgen kann. Dann bot mir der Amerikaner die \u201eFriedenspfeife\u201c an in Form einer CAMEL-Zigarette.<br>Er befragte mich, wo ich herk\u00e4me und wo ich Englisch gelernt h\u00e4tte.<br>Ich erz\u00e4hlte ihm, da\u00df ich aus \u00d6sterreich (Graz) stamme, aber meine Gymnasialprofessoren, bei denen ich Englisch gelernt habe, im Jahre 1938 (Besetzung \u00d6sterreichs durch Adolf Hitler) nach USA emigrieren mu\u00dften.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <br>          Amerikanischer Soldat: \u201eWohin emigrierten sie nach USA?\u201c<br>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; ALLMER: \u201eAn die STATE&nbsp; UNIVERSITY&nbsp; OHIO.\u201c<br>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Amerikanischer Soldat: \u201c What UNIVERSITY&nbsp; OHIO?\u201c<br>Er zeigte mir einen gro\u00dfen goldenen Siegelring mit schwarzem Stein an seiner Hand: \u201eSTATE&nbsp; UNIVERSITY&nbsp; OHIO\u201c. \u2013Sofort befragte er mich nach den Namen dieser emigrierten Professoren; es waren Prof. PATZAK (Mathematik, Physik), Prof. SHARLACH (Darstellende Geometrie) und Prof. LONSING (Botanik und Zoologie). &#8211;&nbsp; Der amerikanische Soldat kannte die drei genannten Professoren und war selbst Sch\u00fcler von ihnen.<br>Er bat mich um meinen Namen und meine Heimatadresse, damit er noch heute per Luftpost an die Professoren in Ohio schreiben k\u00f6nne \u2013<br>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Zwei ehemalige Sch\u00fcler trafen sich inmitten des<br>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Schlachtget\u00fcmmels an der Ardennenfront&#8212;<br>Der amerikanische Soldat, dessen Namen ich leider vergessen habe (aber jederzeit eruierbar w\u00e4re), war von diesem unglaublichen Zufall so erfreut, da\u00df er mir gestattete, die vier deutschen Verwundeten vom Bunker Nr 5\u2026 zu holen. Er stellte jedoch die Bedingung, ich m\u00fcsse mit den deutschen Verwundeten auf der R\u00fcckfahrt nochmals bei ihm anhalten. Er ist verpflichtet, einen amerikanischen Truppenarzt per Funk zu holen, der feststellen mu\u00dfte, ob die deutschen Soldaten tats\u00e4chlich verwundet seien, damit ich keine kampff\u00e4higen Soldaten \u00fcber die HKL bringe.<br>Gl\u00fccklich \u00fcber diesen einmaligen Zufall fuhr ich in den Wald hinein zu dem besagten Bunker.<br>Vor dem Bunker standen mehrere Shermann-Panzer . Ein Panzer hatte sein Kanonenrohr auf die lange, steile Betonstiege zum Bunkereingang abgesenkt. Der Panzerkommandant stand mit ge\u00f6ffnetem Panzerturm und fragte mich: \u201eWhat the matter?\u201c<br>Ich erkl\u00e4rte ihm mein Anliegen und bat ihn, das Panzer-Kanonenrohr von der Stiege zu entfernen, damit ich die Verwundeten aus dem Bunker holen k\u00f6nne.<\/p>\n\n\n\n<p>Meinem Wunsch entsprach er nur widerwillig \u2013 seine Fluchworte verstand ich nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur gleichen Zeit flogen mehrere Kleinflugzeuge (\u00e4hnlich dem deutschen FIESELER-STORCH) in sehr niedriger H\u00f6he \u00fcber dem Waldgebiet und warfen scheinbar wahllos in Panzern\u00e4he zirka 10 bis 15 Kisten ab. Erfahrungsgem\u00e4\u00df waren es Verpflegungs- und Munitionskisten. Der Panzerkommandant n\u00e4chst dem Bunkereingang forderte meinen Beifahrer und mich auf, diese abgeworfenen Kisten zu sammeln und ihm auf den Panzerturm hinaufzuhieven.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich weigerte mich das zu tun, und erkl\u00e4rte ihm, da\u00df das nach dem Genfer Rotkreuz-Abkommen unzul\u00e4ssig sei \u2013 der Panzerkommandant hatte wenig Freude mit meiner Erkl\u00e4rung. Er bootete einen Mann seiner Besatzung aus, der die abgeworfenen Kisten ins Panzerinnere versorgte.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"text12\"><strong>Unbelehrbar<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Endlich konnte ich nun die lange Betonstiege hinuntersteigen zum besagten Bunker Nr. 5\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Es war ein gro\u00dfer Bunker mit ugf. 40 Mann im D\u00e4mmerlicht erkennbar. Ein einziges Hindenburglicht brannte (<em>Hindenburglicht: Talg-Dosenlicht, Vorg\u00e4nger des Teelichtes)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Allm\u00e4hlich fand ich mich zurecht und ein junger Leutnant fragte mich nach meinem Befehl. Ich erkl\u00e4rte ihm, da\u00df hier vier Verwundete zum Abholen seien und auf den Hauptverbandsplatz nach Helenenberg zu transportieren seien. \u201eWo sind diese vier Verwundeten?\u201c<br>Der Leutnant deutete auf einen kleinen, unbeleuchteten Nebenraum, wo sich die Verwundeten aufhielten.<br>Der Leutnant erkl\u00e4rte mir, da\u00df sie heute abends bei Einbruch der Dunkelheit aus dem Bunker ausbrechen werden, nachdem sie vor drei Tagen diesen letzten Funkspruch von der Division erhalten haben.<br>W\u00e4hrend mein Beifahrer und ich die zwei liegenden Verwundeten auf die mitgebrachten Krankentragen betteten, erkl\u00e4rte ich lautstark dem Leutnant, da\u00df sein Plan zum Ausbruch aus dem Bunker bei Einbruch der Dunkelheit sinnlos sei, nachdem drei Sherman-Panzer vor dem Bunkereingang stehen \u2013 ein Schu\u00df gen\u00fcge und alle sind im Jenseits.<br>Der Leutnant zeigte sich unbelehrbar und negierte meine Ansicht, da\u00df es nur mehr den Weg in die ehrenhafte Gefangenschaft g\u00e4be, ansonsten seien sie alle tot!<br>Der Leutnant drohte mir mit Kriegsgericht wegen Wehrkraftzersetzung. Ich sagte ihm das G\u00f6tz-Zitat, weil ich vollkommen sicher war, da\u00df keine Funkverbindung mehr hergestellt werden k\u00f6nne.<br>Mehrere \u201eBunker-Gefangene\u201c (deutsche Soldaten) steckten mir Abschiedsbriefe, Ringe, Uhren usw. in meine Manteltasche, w\u00e4hrend ich die Verwundeten \u00fcber die lange Bunkerstiege mit meinem Beifahrer zum Sanit\u00e4tsfahrzeug trug.<br>Bevor ich von dieser unwirtlichen Gegend wegfuhr, war der eine Sherman-Panzer schon dabei, sein Kanonenrohr auf die Stiege schu\u00dfbereit abzusenken.<br>Zu meiner \u00dcberraschung bemerkte ich, da\u00df noch ein f\u00fcnfter Verwundeter im Wagen sa\u00df. Ich fragte ihn, was ihm fehle? Er beteuerte mir, erh\u00f6re nichts \u2013 beide Trommelfelle kaputt.<br>Ich freute mich dar\u00fcber, denn er hatte keine Verletzung, wie sich sp\u00e4ter auf dem Hauptverbandsplatz herausstellte.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun begann die R\u00fcckfahrt durch den Wald zur amerikanischen HKL. Hier wartete bereits der vorher genannte amerikanische Soldat mit einem amerikanischen Truppenarzt. Dieser sollte kontrollieren, ob ich tats\u00e4chlich nur Verwundete hinter die deutschen Linien transportierte \u2013 aber er machte keinerlei Untersuchungen, hielt meine Aussage f\u00fcr glaubw\u00fcrdig und w\u00fcnschte uns ein gesundes Wiedersehen nach Kriegsende.<br>Auf dem Hauptverbandsplatz angekommen wurden die Verwundeten entladen und in den Keller des Stiftes Helenenberg zur \u00e4rztlichen Versorgung gebracht.<br>Mich selbst erwartete bereits der Divisions-Offizier 1-C (Offizier f\u00fcr Spionage und Abwehr) und wollte alles von meinem Einsatz genau wissen. Ich wurde eingehend \u00fcber die Lage und die Verh\u00e4ltnisse im Bunker Nr. 5\u2026 befragt \u2013 man h\u00e4tte seit drei Tagen keinen Funkkontakt mehr.<br>Ich belog wissentlich den Offizier 1-C: Die Truppe sei wohlauf, h\u00e4tte nur mehr wenig Verpflegung und Munition, jedoch werde sie heute abends bei Einbruch der Dunkelheit ausbrechen \u2013 da\u00df sie alle Todeskandidaten seien, dar\u00fcber erw\u00e4hnte ich kein Wort.<br>Vermutlich wurden auch die f\u00fcnf angelieferten Verwundeten peinlich befragt, wodurch meine pers\u00f6nliche etwas zweifelhafte Rolle bei dieser Befragung durchsickerte.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"text13\"><strong>16. J\u00e4nner 1945<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Um 8.30 Uhr kam der Offizier 1-C (Spionage und Abwehr) wutschnaubend auf dem Hauptverbandsplatz Helenenberg vorgefahren, wo ich mich gerade beim Kfz-Dienst im Hofe befand.<br>Er schrie mich an: \u201e ALLMER, Sie fahren mir nicht mehr zu den Amerikanern!\u201c<br>ALLMER: \u201eHerr Major, das war nicht meine Erfindung, sondern ich hatte den m\u00fcndlichen Befehl des Herrn Divisionsarztes.\u201c<br>Daraufhin befahl mir der Herr Major 1-C: \u201eSie fahren sofort zu ihrem Tro\u00df nach Schwaig (<em>Schweich<\/em>) an der Mosel (ungef\u00e4hr 10 km \u00f6stlich von Trier) und melden sich beim Kompaniechef Stabsarzt Karl NIKLAS (Zahnarzt aus Bad Aibling, Bayern). Sie fahren nur mehr mit Verwundeten-Transporten von Trier nach Wittlich (Feldlazarett), Traben-Trarbach (Kriegslazarett)\u00a0 oder nach Niederlahnstein (bei Koblenz, Kriegslazarett).\u201c<br>Etwas Angenehmeres h\u00e4tte mir nicht passieren k\u00f6nnen \u2013 weg von der Front, praktisch ins Hinterland.<br>Kurz darauf begann der R\u00fcckmarsch der Division\u00a0 in Richtung Osten zum Rhein.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"text14\"><strong>Nachwort<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>September 1948: die vorher genannten Professoren, die 1938\/39 von Graz (Marien-Institut) nach Ohio (USA) emigrieren mu\u00dften, waren alle wohlbehalten nach \u00d6sterreich zur\u00fcckgekehrt, aber nicht mehr nach Graz, sondern in ihre Lehrerbildungsanstalt Gersthof (Wien XVIII). Ich besuchte die einstigen Professoren in Wien \u2013 es erschien mir alles wie ein Wunder!<br>Die Professoren \u201ebeklagten\u201c sich dar\u00fcber, da\u00df ich ihnen viel Kummer in den USA bereitet habe, weil t\u00e4glich Dutzende von Reportern zu ihnen auf die University in Ohio kamen und wissen wollten, ob der Sanit\u00e4ts-Obergefreite Franz ALLMER wirklich ein Sch\u00fcler von ihnen war.<br>Die Professoren zeigten mir ein dickes Aktenb\u00fcndel mit amerikanischen Zeitungsausschnitten, die das geschilderte Ereignis in allen Varianten kommentierten.<br><br>Ende der Notizen (Anhang 1 und 2) aus<br>Kriegstagebuch Franz Allmer 1941 &#8211; 1945<br>Mit freundlicher Genehmigung des Verlags der TU Graz.<\/p>\n\n\n\n<p>~~~~~~~~~~~~~~~~~~~<\/p>\n\n\n\n<p>Sicherlich haben auch viele Welschbilliger noch Erinnerungen an diese Geschehnisse auf dem Helenenberg oder haben sie dort selbst miterlebt.<br>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Es w\u00e4re sch\u00f6n, wenn einige Personen dazu bereit w\u00e4ren, ihre<br>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Erlebnisse aus jener Zeit festzuhalten um sie an dieser Stelle<br>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; zu ver\u00f6ffentlichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es w\u00e4re schade, w\u00fcrden diese Erinnerungen f\u00fcr immer verloren gehen.<br><br>Der Bericht von Franz Allmer hat unter den Beziehern der Welschbilliger Nachrichten viel Aufmerksamkeit gefunden.<br>Es ist dem Unterzeichner ein Herzensanliegen, dass die Geschehnisse dieser Zeit nicht vergessen werden, sondern dass sie uns immer erinnern, dass wir auf unsere demokratische Grundordnung und unsere Bundesrepublik Deutschland stolz sein k\u00f6nnen.<br>Wir sind die erste Generation, die keinen Krieg im eigenen Land erlebt hat.<br>Dies ist ein Geschenk, das wir wertsch\u00e4tzen sollten.<br>Dazu geh\u00f6rt aber auch, dass wir gegen\u00fcber Rassismus, Unterdr\u00fcckung und Geschichtsverdrehern wachsam sein m\u00fcssen und unsere Demokratie mit all ihren Fehlern und menschlichen Unzul\u00e4nglichkeiten verteidigen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Werner Hubert<\/p>\n\n\n\n<p>Vorsitzender Heimatfreunde Welschbillig, Telefon 433<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"http:\/\/www.heimatfreunde-welschbillig.de\/\">www.heimatfreunde-welschbillig.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Leserin, lieber Leser, nun ist es \u00fcber 75 Jahre her, dass der 2. 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